13.11.2010 - KulturNacht - Musik auf 4 Bühnen

Volksschule Waakirchen (Eingang neben dem Sportzentrum)
(Einlass ab 18.30 Uhr; Beginn: 19.10 Uhr)

Eintrittskarten gibt es an den bekannten Vorverkaufstellen:
- im VVK zu: 16,00 €uro
- an der Abendkasse: 18,00 €uro

bayerisch-international - Weltmusik aus Rußland - jiddische Lieder - Von Kalkutta nach München

Nach längerer Pause bietet die Kleinkunstbühne Waakirchen allen Musikfreunden ein besonderes und vielseitiges Programm, mit vier sehr unterschiedlichen Gruppen. Bayerisch, indisch, russisch und jiddisch, Musik aus verschiedenen Kulturkreisen wird virtuos in hoher Perfektion präsentiert.
Die KulturNacht sollten Sie auf keinen Fall versäumen, den alle Künstler/Gruppen bürgen wieder für sehr hohe Qualität, deshalb unbedingt diesen Termin vormerken und rechtzeitig Karten besorgen.

Zum Auftakt spielen um 19 Uhr die Reiwa-Buam, das Bühnenprogramm und für die Bewirtung sorgen wieder die Damen des Sportvereins.

Im folgenden Einzelheiten über die Gruppen und Programmteile:

Unterbiberger Hofmusik bayerisch international

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Nichts klingt fad oder altbacken, die enorme Virtuosität des Ensembles Irene Himpsl (acc), Franz Josef Himpsl (tr), Xaver Himpsl (tr), Ludwig Himpsl (hrn), Kathrin Pechlof (hrp), Herbert Hornig (tb), Erwin Gregg (trb), seine offenbar weit gefächerte Interessenlage und die Einbeziehung verschiedener Gastsolisten an Oud, Trompeten, Posaunen und Bugle macht ihre Musik zu einem frischen, fröhlichen Erlebnis.
Blasmusik auf ragazzi, wo sonst nur progressiven Klängen und der Avantgarde gefrönt wird? Ganz einfach: Das Ensemble Unterbiberger Hofmusik ist ungemein mutig und fortschrittlich, wie es die geliebte komplexe, wilde Rockmusik nicht mehr sein könnte. Auf ihrem Gebiet. Was die Unterbiberger Hofmusik macht, klingt wie die Rehabilitation eines ganzes Musikstiles – der deutschen Volksmusik, die durch schreckliche Schlagerisierung und schwer konservative Auslebung immer mehr im eigenen Saft schmort, sich gegen Einflüsse von außen vermauert, abschottet. Aber es gibt die Unterbiberger Hofmusik, und die sind gewiss nicht allein mit ihrem Anliegen, bayrische Blasmusik nicht nur am Leben zu erhalten, sondern zu erneuern, neue Lieder im alten Stil zu schreiben, Jazz und andere virtuose Musik darin zuzulassen, Neues einzubringen, was aus aller Welt auch in bayrische Abgeschiedenheit schwappt, (wie vielleicht an abgelegene vorpommersche Boddenküsten mit altersschwachen, windschiefen Fachwerkscheunen).

Die Unterbiberger Hofmusik mischt seit über einem Jahrzehnt echte Volksmusik und hochkarätigen Jazz.

Die Lieder sind bayrische Blasmusik, und bleiben das auch in ihrer Verbindung mit Weltmusik und Jazz, mit lebhaften, ausgeflippten Trompetensoli, rasanten Unisonoläufen und einer Melodik, die in der konservativen Auslegung der bajuwarischen Blasmusik so nicht möglich ist. Hin und wieder ist das, was die Band so frisch und lebhaft spielt, eher mit Blood, Sweat & Tears zu vergleichen, oder mit wildem Balkanblues, als mit der Kapelle aus dem nächsten bayrischen Dorf, und doch wollen die Musiker gewiss keinen Krieg mit ihrem Heimatland vom Zaun brechen, sondern die historisch gewachsene Heimatmusik, die zuletzt seit langem längst auf schwer konservativ abonniert war, für weltoffene Musikbegeisterte, heimliche Neugierige, die es kaum wagen, zuzugeben, diese Musik zu lieben, um nicht falsch wahrgenommen zu werden, und den aus allen Richtungen gefährdeten Nachwuchs zu öffnen.

„Manchmal dauern Reisen um die Welt 80 Tage, manchmal nur wenige Minuten“ schreibt Marcus Woelfle über die neue CD der Unterbiberger Hofmusik „Made in Germany“. Auf dieser CD überschreiten die Unterbiberger die Grenzen ihrer Musik, und gehen noch weit über die Kombination aus Jazz und Volksmusik hinaus. Zum ersten Mal nehmen sie auch Einflüsse der türkischen Musik in ihr Repertoire auf. Auch Klänge aus dem Balkan mischen sie dazu und erweitern damit ihren Klanghorizont.

Die Unterbiberger haben den Tassilo-Förderpreis der Süddeutschen Zeitung gewonnen. Für Engagement über die Grenzen des Landkreises hinaus und hervorragende Kulturarbeit. Natürlich gestalteten die Unterbiberger die Preisverleihung und das gemütliche Zusammensein danach in üblicher Manier zusammen mit Mathias Schriefl und Mathias Engl als Solisten.

Susanne Weinhöppel  – Jiddische Lieder zum Lachen und Weinen

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In die kleine Welt des Ostjudentums mit ihren großen Gefühlen lässt Susanne Weinhöppel Sie einen Abend lang eintauchen. Sie singt und erzählt Geschichten über das Umfeld der Lieder und von ihren Autoren. Dazu braucht sie keine Klesmerband, nur ihre Harfe, die sie perfekt beherrscht und ihre Stimme, die mal klar, mal sanft, mal kämpferisch, mal zärtlich eine ausgelöschte Kultur aufleben lässt. Eine Gratwanderung zwischen Trauer und Lebenslust, Sehnsucht und Ironie, Hoffnung und Witz.

 

Wolfgang Netzer & Ranajit SenguptaVon Kalkutta nach München
Der Musiker, Filmmusiker und Komponist Wolfgang Netzer (bekannte Projekte wie “Bavario”, Filmmusik “Jane´s Journey” – läuft aktuell beim Filmfest München) stellt sein neuestes Projekt vor.

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Die Musik von Ranajit Sengputa und Wolfgang Netzer zeigt welche Varianten und Emotionen in einem Raga (indischer Folklore) stecken. Sengupta spielte die Sarod mit Rhythmus-, Melodie und Bordunsaiten dazu improvisiert W. Netzer mit Gitarre oder arabischer Laute. Der Raga ist stets eingebetet im Zyklus des Werdens und Vergehens. Die Saiten und Trommeln ziehen die Zuhörer in ein immerwährendes, an- und abschwellen, östlich klingendem Klangkontinuum, in dem man sich trotz aller Exotik geborgen fühlt. Von Kalkutta nach München, eindrucksvolle Klangexperimente verbunden mit streng auskomponierten Arrangements, die mit großer Spielfreude vorgetragen werden. Die Eigenkompositionen von Netzer werden dabei im indischen Gewand zu echten Hörerlebnissen. Die Internationalität zieht den Zuhörer ein ums andere Mal in ihren Bann. Fast akrobatisch mixen Netzer und Sengupta die verschiedenen Taktarten zu eingängigen Melodien, meist jenseits der abendländischen Tonsprache Dur und Moll. Mal jazzig improvisiert, mal rockig wie die akustische Version eines Pink-Floyd-Riffs im mystischen Klanguniversum der bundlosen Saiteninstrumente reift ein Potpourri zu einer ganz und gar eigenständigen Melodie. Wie aufregend die Fusion aus westlicher Weltmusik und indischer Folklore sein kann, präsentieren die beiden Musiker mit eindrucksvoller Virtuosität.

Expromptrussische Weltmusik

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Mit ihren traditionellen russischen Instrumenten – Domra, Balalaika, Bajan und Kontrabass-Balalaika – zaubern sie mit unbändiger Spielleidenschaft ein umwerfend virtuoses, feinsinniges und begeisterndes Ensemblespiel voller solistischer Glanzlichter, das seinesgleichen sucht – die vier Musiker der Gruppe EXPROMPT - Olga Kleshchenko (Domra), Alexej Kleshchenko (Balalaika), Michail Totskij (Bajan) und Ewgenij

Tarasenko (Bass-Balalaika) aus dem im russischen Karelien gelegenen Petrosavodsk.
Die Mitglieder des 1995 gegründeten Quartetts – allesamt Absolventen des Petrosavodsker Konservatoriums - verstehen sich auf Wimpernschlag und bieten in ihren Konzerten eine erstaunliche Repertoirebandbreite, die weit über die große Tradition russischer Volksmusik hinausgeht. Getragen von zauberhaften ensembleeigenen Bearbeitungen kommen Neo-Klassisches des russischen Komponisten Alfred Schnittke genauso zu Gehör, wie Tangos von Astor Piazzolla, Swing von Django Reinhardt oder Stücke von Mozart, Rossini, Gawrilin, auch Filmmusiken, etwa von Maurice Jarres.

Eindrucksvoll stellt EXPROMPT unter Beweis, welche überraschenden Möglichkeiten ein traditionelles Instrumentarium bieten kann, wenn Kreativität, Sicherheit des musikalischen Geschmacks und Mut zu neuen Ufern am Werke sind. Es verwundert deshalb nicht, dass diese Gruppe mit prestigeträchtigen Preisen bei internationalen Musikwettbewerben ausgezeichnet wurde, so u.a. mit dem ersten Preis der italienischen “Citta di Castelfidardo“.
Die faszinierende Mischung von Musik unterschiedlichster Provenienz, gepaart mit der wunderbaren Fähigkeit der vier Akteure Gefühle wie Lebensfreude, Trauer, Liebe, Melancholie – musikalisch auszudrücken und den Zuhörer daran teilhaben zu lassen, versprechen einen unvergesslichen Abend.

Lassen Sie sich mitnehmen auf eine wirklich außergewöhnliche musikalische Reise!